B u c h r e z e n s i o n :
Vegetarisch essen –
Krankheiten vergessen?
Wer ist der Krankmacher?
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Ein ärztlicher Ratgeber
von Dr. med. Hans Günter Kugler und Dr. med. Arno Schneider
Dass die Art und Weise, wie wir uns
ernähren, einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit und auf unser
Wohlbefinden ausübt, ist mittlerweile hinreichend bekannt. Die meisten
Zivilisationskrankheiten gehen auf das Konto eines ungesunden Lebensstils
wie Bewegungsmangel,
Stress, |
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Rauchen und falsche Ernährungsgewohnheiten. Zu
den folgeschweren Ernährungsfehlern gehört
nachweislich ein hoher Konsum von Fleisch, Wurst und Fisch. Warum das so ist
und inwieweit ein vegetarischer Ernährungsstil den Faktor Gesundheit positiv
beeinflusst, wird in diesem Buch anhand zahlreicher wissenschaftlich
fundierter Studien verständlich dargelegt. |
Mehr noch: Der Konsum von
Fleisch und Fleischprodukten ist nicht nur für den einzelnen Verbraucher
gesundheitsschädlich, der möglicherweise frühzeitig an einem Magentumor
erkrankt oder in Folge einer ernährungsbedingten Verklebung der Blutgefäße
einem Schlaganfall erliegt – nein, die Wirkungen des fleischbetonten
Ernährungsstils sind viel dramatischer. Dr. Hans-Günter Kugler,
Ernährungsexperte und Mikronährstoffmediziner, macht im ersten Teil des
Buches einen ökologischen Streifzug. Er erklärt anhand vieler Beispiele, wie
und warum wir durch die Fleischproduktion das Ökosystem Erde zerstören und
wie diese Zerstörung in Form von Umweltkatastrophen, Krankheiten,
Hungersnöten etc. als Bumerang wieder auf die Menschheit zurückkommt.
Die hohe CO2-Belastung ist eine der Hauptursachen für die derzeit größte
Klimakatastrophe, die jemals von Wissenschaftlern prognostiziert wurde und
deren Folgen sich jetzt schon anbahnen: Schmelze der Polkappen, Rückgang der
Artenvielfalt, Ausbleiben von Ernten, Überschwemmungen, Dürren, Hungersnöte
u.v.m. sind die unwiderruflichen Auswirkungen der global fortschreitenden
Klimaerwärmung. Kugler präsentiert Fakten, die aufzeigen, dass die
Viehwirtschaft einen erheblichen Beitrag zur Freisetzung von Treibhausgasen
liefert - immerhin 18 Prozent der CO2-Äquivalenten. Sie liegt damit
bezüglich der Treibhausgasemission 5 Prozent über dem gesamten
Verkehrssektor. Die Ursachen sind u.a. die gewaltige Abrodung und Abbrennung
der Tropenwälder zur Gewinnung von Weideland und Flächen für die
Futtermittelerzeugung sowie auch der Methanausstoß der Rinder oder andere
Treibhausgase.
In diesem Zusammenhang wird auch der enorme Energieverbrauch für die
Fleischherstellung kritisch hinterfragt, der durch eine im Juli 2007
publizierte japanische Studie wissenschaftlich untermauert wird. Danach ist
die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch im gleichen Maße
klimaschädlich wie eine Autofahrt von 250 Kilometern mit einem
Mittelklassewagen.
Einige aufgrund des Klimawandels zu erwartenden gesundheitlichen Folgen
werden ebenfalls behandelt. Erwähnt wird ein vermehrtes Auftreten von
Pflanzen, die normalerweise in anderen Regionen beheimatet sind, wie die
Ambrosia, und eine daraus resultierende erhöhte Pollenaktivität. Beschrieben
werden die Risiken und Folgen von Hitzewellen in Europa und die Einwanderung
von tropischen Insekten und anderem Ungeziefer, die gefährliche Krankheiten
übertragen können.
Zu den durch die Fleischproduktion verursachten Umweltkatastrophen gehört
auch die Ausbringung der Gülle auf die Felder. Damit gelangen gefährliche
Substanzen in die Umwelt wie Antibiotikarückstände, Bakterien und Pilze.
Zunehmende Antibiotikaresistenzen haben nicht zu unterschätzende
medizinische Konsequenzen. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass die
Blutvergiftung inzwischen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland
ist.
Eine globale Umstellung auf eine gesunde vegetarische Kost ist nicht in
Sicht. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen rechnet bis zum Jahr 2050 mit einer Steigerung von derzeit 229 Mio.
Tonnen Fleisch und Fleischprodukten auf 465 Mio. Tonnen. Die damit
einhergehenden Risiken für die Entstehung von so genannten Volkskrankheiten
liegt auf der Hand: Derzeit leiden etwa 6 Mio. Deutsche an Diabetes, bis zum
Jahr 2010 wird mit einem Anstieg auf etwa 10 Mio. gerechnet. Der Diabetes
Typ 2 wird hauptsächlich durch Übergewicht hervorgerufen – meist infolge zu
fetten und kalorienhaltigen Essens in Verbindung mit Bewegungsmangel. Ein
hoher Konsum von Fleischprodukten ist mit erhöhtem Übergewicht assoziiert.
Damit verbunden ist auch ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
aufgrund erhöhter Blutfettwerte oder Entzündungsparameter. Das sind Themen
im zweiten Abschnitt des Buches. Weitere sind Bluthochdruck und Ernährung,
die Auswirkung des Fleischverzehrs auf die Knochen, der Effekt einer
fleischbetonten Ernährung auf Tumorerkrankungen und was es mit der
weltweiten Empfehlung auf sich hat, mehr Fisch zu essen. Im letzten
Abschnitt des Buches geht Dr. med. Arno Schneider auf die Frage ein, ob
Vegetarier automatisch vor Krankheit gefeit sind, und es geht um die
Einstellungen, die einer vegetarischen Ernährung zugrunde liegen.
Vegetarische Ernährung ist letzten Endes auch eine Frage der Ethik.
Das Buch ist keineswegs als Versuch zu werten, die Meinung eines überzeugten
Vegetariers an den Mann zu bringen. Nein - hier kommen wissenschaftliche
Fakten unverblümt auf den Tisch. Endlich einmal haben Mediziner und
Ernährungsexperten kurz und bündig die medizinische Notwendigkeit einer
vegetarischen Kost für den einzelnen Menschen und für den Planeten Erde
offengelegt.
Das Buch könnte ein erster Ratgeber für Ärzte, Ernährungsberater und
Ernährungsinteressierte sein, die sich dem Thema Vegetarismus nicht länger
verschließen möchten. Die komprimierten Studien und die umfassenden
Referenzen ermöglichen hier einen guten Einstieg. Ernährungsberater erfahren
ganz neue Aspekte, die sie in ihrem beruflichen Alltag berücksichtigen
können. Die tiefgreifenden Zusammenhänge, die dieses Buch zum Thema
Vegetarismus, Fleischverzehr und Krankheit vermittelt, dienen nicht nur
allen Vegetariern, sondern können auch den „Noch-Fleischessern“ die Augen
öffnen.
Das Buch ist Ende Dezember 2008 im Verlag „Das Wort“ erschienen und kann
über den Buchhandel für ca. 9,80 Euro bezogen werden (ISBN
978-3-89201-287-0)
Februar 2009
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