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Übergewicht ist die häufigste Form der Fehlernährung in den westlichen Industriestaaten. Kennzeichen ist ein erhöhtes Körpergewicht und eine Zunahme des Fettgewebes. Bei der Beurteilung, was Normalgewicht und Übergewicht ist, hat sich international der Body-Mass-Index (BMI) durchgesetzt. Der BMI berechnet sich als Quotient aus Körpergewicht in Kilogramm und Quadrat der Körpermenge in Metern. Beispiel: Bei 70 kg Körpergewicht und 1,65 m Körpergröße ergibt sich 70 geteilt durch 1,65 x 1,65 = 25,7.


Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab einem BMI von 30 von Adipositas. In der Bundesrepublik Deutschland ist jeder zweite Bürger übergewichtig und jeder fünfte adipös. Auch bei Kindern und Jugendlichen nimmt das Übergewicht rasant zu, jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche sind derzeit übergewichtig. Die Zunahme von Übergewicht und Adipositas findet weltweit statt und ist nicht nur auf die Industrieländer beschränkt. Inzwischen wird das Übergewicht von der WHO als wichtigstes Gesundheitsproblem und als Ausgangspunkt für chronische Erkrankungen angesehen.

Übergewicht ist nicht nur ein kosmetisches und ästhetisches Problem, sondern geht mit erheblichen gesundheitlichen Risiken und Symptomen einher, die von den Betroffenen und auch von den Ärzten häufig nicht als behandlungsbedürftig wahrgenommen werden.

 

Warum sind Übergewicht und vermehrtes Fettgewebe eigentlich ungesund?

Das Fettgewebe ist kein passives Speichergewebe für überschüssige Kalorien, sondern ein stoffwechselaktives Organsystem, in dem auch verschiedene hormonähnliche Substanzen, so genannte Adipikine, gebildet werden. Zu den Adipikinen gehört das Interleukin-6 sowie der Tumornekrosefaktor Alpha. Beide Substanzen erhöhen die Entzündungsbereitschaft des Stoffwechsels, erkennbar an einem Anstieg der Leukozyten und des Entzündungsmarkers CRP.

Aufgrund der vorhandenen Fehlregulation des Immunsystems haben übergewichtige Menschen häufig eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Bei Übergewicht werden im Stoffwechsel vermehrt Sauerstoffradikale gebildet, die Alterungsprozesse beschleunigen. Für die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, bedeuten zu viele Kalorien einen Substratstress. Der Verzicht auf die Abendmahlzeit, das Dinner-Canceling, gilt inzwischen als hocheffektive Therapiemaßnahme im Rahmen der Anti-Aging-Medizin.

Besonders gefährlich für die Gesundheit ist eine vermehrte Fettansammlung im Bauchraum (viszerales Fett). Die Zellen des viszeralen Fetts sind sehr stoffwechselaktiv und setzen vermehrt Fettsäuren frei, was ein Anstieg der Fettsäurenkonzentration im Blutserum zur Folge hat. Dies wiederum bewirkt eine gesteigerte Fettsäureaufnahme in die Skelettmuskulatur. Dadurch kommt es in den Muskelzellen zu einer Fettanreicherung in Form so genannter intramyocellulärer Lipide, die zu einer Insulinresistenz der Muskelzelle führen. Es sind nun immer höhere Insulinmengen erforderlich, um die Glucose aus der Blutbahn in die Muskelzelle zu befördern. Die Insulinresistenz bewirkt im Laufe der Zeit chronisch überhöhte Insulinspiegel, den Hyperinsulinismus.

Die Vermehrung des viszeralen Fetts und die daraus resultierende Insulinresistenz sind die Voraussetzung für die Entstehung des Diabetes mellitus Typ II. Große epidemiologische Studien haben außerdem einen positven Zusammenhang zwischen der Höhe des BMI und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gezeigt. Ähnlich wie beim Diabetes mellitus ist auch hier die Menge des viszeralen Fetts der entscheidende Risikofaktor.

Zudem begünstigt Übergewicht Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Arthrosen, Fettleber, Gallensteine und bestimmte Tumorarten wie Brust-, Gebärmutter- und Prostatakrebs. Übergewichtige Menschen haben ein erhöhtes Operationsrisiko und leiden auch vermehrt an psychosozialen Problemen.

Im November 2004 erschienen zwei interessante Studien zum Thema Übergewicht, die aufzeigen, dass chronisches Übergewicht auch Hirnleistungsstörungen und Demenz fördert. In einer Untersuchung an 290 schwedischen Frauen konnte nachgewiesen werden, dass langjähriges Übergewicht zu vermehrten Substanzverlusten im Temporallappen (Schläfenlappen) des Gehirns führt, der vor allem für das Erfassen der Bedeutung sozialer Signale, das Erkennen von Gesichtern und das Begreifen der Bedeutung sprachlicher Elemente wichtig ist. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine US-amerikanische Studie der Universität von Kalifornien. Bei Studienteilnehmern mit metabolischem Syndrom und erhöhter Entzündungsbereitschaft wurden in verstärktem erhöhtem Maße Hirnleistungsstörungen festgestellt.

 

Wie entsteht eigentlich Übergewicht?

Übergewicht kann nur dann entstehen, wenn die Energiezufuhr in Form von Nahrungskalorien den Verbrauch übersteigt. Wir essen vielfach noch so, als müssten wir hart körperlich arbeiten. Kennzeichen unserer heutigen gesellschaftlichen Situation ist aber eine Abnahme der körperlichen Aktivität bis hin zur Inaktivität, vor allem wenn die meiste Zeit vor Fernsehern, Computern etc. verbracht wird.

Interessanterweise hat die Häufigkeit von Übergewicht/ Adipositas erst in den letzten 20 Jahren stark zugenommen, obwohl in den Industriestaaten schon seit mehreren Jahrzehnten ein hohes Angebot an Nahrungsmitteln verfügbar ist. Zur Entstehung des Übergewichts tragen verschiedene Teilursachen bei: z.B. größere Portionen energiereicher Nahrung, Nahrung mit höherem Fettanteil, hoher glykämischer Index, Ballaststoffmangel.

Möglicherweise begünstigen gewisse Nahrungszusätze wie Natriumglutamat und Fructose die Entstehung von Übergewicht. Der Zusatz von Natriumglutamat zu Mahlzeiten führt dazu, dass weniger gekaut und schneller geschluckt wird, die Bissen größer und die Pausen zwischen den Bissen kleiner werden. Es gibt Hinweise aus verschiedenen Studien, dass Natriumglutamat besonders bei noch ungeborenen Kindern zu einer Schädigung des Sättigungskerns im Hypothalamus führen kann und somit zu einer grundlegenden Störung der Regulation von Appetit und Sättigung.

Die explodierende Adipositasepidemie in den USA könnte zum Teil auch darauf zurückzuführen sein, dass dort vermehrt der fruchtzuckerhaltige Maissirup zum Süßen verwendet wird. Es ist nachgewiesen, dass große Mengen Fruchtzucker die Fettsynthese fördern.

Chronischer Stress fördert über erhöhte Cortisolkonzentrationen das Verlangen nach Süßem und Fettem. Süßigkeiten, Snacks etc. können kurzfristig eine schlechte Stimmungslage bessern.

 

Was ist beim Abnehmen zu beachten?

Prinzipiell ist eine Gewichtsreduktion nur möglich, wenn die Energiebilanz negativ wird, d.h. wenn mehr Kalorien verbraucht als zugeführt werden. An diesem grundlegenden Stoffwechselprinzip kommt keiner vorbei, der abnehmen möchte. Eine Gewichtsreduktion führt zu einem verminderten Energiebedarf des Körpers, so dass zur Aufrechterhaltung eines niedrigeren Körpergewichts auch die Kalorienzufuhr langfristig vermindert werden muss.

 

Verschiedene Mikronährstoffe und pflanzliche Substanzen können das Abnehmen unterstützen:

Aminosäuren

Glutamin, Tryptophan und Tyrosin können appetitdämpfend wirken. Aus Tryptophan wird im Gehirn Serotonin gebildet, das für eine gute Stimmung des Menschen wichtig ist. Die Aminosäuren Arginin, Ornithin, Glycin und Glutamin stimulieren die Freisetzung des Wachstumshormons aus der Hirnanhangdrüse, das den Fettabbau und den Aufbau von Muskulatur fördert.

Cystein wird für den Erhalt der Muskelmasse benötigt; ein Cysteinmangel kann den Fettansatz fördern.

Carnitin, aus zwei Aminosäuren gebildet,  wird für den Transport der Fettsäuren in die Mitochondrien (Brennöfen der Zelle) benötigt. Übergewichtige haben oft einen Carnitinmangel, der das Abnehmen erschwert. Auch Coenzym Q10 kann bei manchen Menschen das Abnehmen unterstützen, da es für die Energieproduktion der Mitochondrien unerlässlich ist.
 

Spurenelemente

Ebenso kann das Spurenelement Chrom beim Abnehmen hilfreich sein. Generell wird Chrom als Verstärker der Insulinwirkung angesehen; bei einem Chrommangel kommt es zu einer verminderten Glukosetoleranz und zu instabilen Blutzuckerspiegeln. Ein hoher Verzehr von raffiniertem Zucker führt leicht zu erhöhten Chromverlusten.

Übergewichtige Menschen haben häufig niedrige Zinkkonzentrationen, was Störungen des Immunsystems zur Folge hat.

Ein Selenmangel ist mit schlechter Stimmungslage assoziiert und kann auch zu einem vermehrten Süßhunger führen.


Vitamine

Wie schon erwähnt, werden im Stoffwechsel des Übergewichtigen vermehrt freie Radikale produziert. Deshalb ist eine höhere Zufuhr antioxidativer Vitamine wie C und E zur Verbesserung der antioxidativen Kapazität sinnvoll. Dazu kommt, dass beim Fettabbau vermehrt toxische Substanzen, die im Fettgewebe gespeichert sind, freigesetzt werden. Dieser Vorgang kann ebenfalls eine erhöhte Bildung freier Radikale bewirken.


Fettsäuren

Die Gamma-Linolensäure, die z.B. im Nachtkerzen- und Borretschsamenöl enthalten ist, kann die Stoffwechselaktivität des braunen Fettgewebes erhöhen. Das braune Fettgewebe besteht beim Erwachsenen aus einzelnen Fettzellen, die im weißen Fettgewebe verteilt sind; es kann Fettsäuren direkt in Wärme umwandeln.
 

Pflanzeninhaltsstoffe

Pfeffer, Senf und Ingwer wirken stoffwechselaktivierend und erleichtern den Fettabbau.

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