Blutdruck Rainer Sturm pixelio 470

Die Blutdruckmessung gehört zu den häufigsten Untersuchungen in einer ärztlichen Praxis. Die meisten Menschen werden deshalb wissen, dass beim Blutdruck zwei Werte bestimmt werden, nämlich der obere Wert oder systolische Blutdruck und der untere Wert oder diastolische Blutdruck. Der systolische Blutdruck entsteht durch Auswurf des Blutes aus der linken Herzkammer. Der diastolische Blutdruck repräsentiert das Druckminimum durch den Abstrom des Blutes in den Arterien.

Die Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck wird Bludruckamplitude genannt. Sie beträgt für einen Jugendlichen oder für einen jungen Erwachsenen etwa 40 mm Hg, also 120/ 80. Ein systolischer Blutdruck bis 130 und ein diastolischer bis 85 gilt als normal. Blutdruckwerte von 140/ 90 bis 159/ 94 werden als Grenzwerthypertonie bezeichnet. Darüber liegenden Werten spricht man von Bluthochdruck oder arterieller Hypertonie.

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass in Ländern mit westlicher Lebensweise etwa jeder vierte Erwachsene an einer ausgeprägten Hypertonie leidet. Bezieht man die Grenzwerthypertonie mit ein, so ist es fast jeder zweite. Unabhängig von anderen Risikofaktoren besteht eine direkte Beziehung zwischen der Höhe des Blutdrucks und der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Risiko, an einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder an einer Niereninsuffizienz zu erkranken, steigt mit zunehmender Dauer und Höhe des Blutdrucks. Ein Anstieg des Blutdrucks, von 20 mm Hg systolisch oder 10 mm Hg diastolisch verdoppelt die Wahrscheinlichkeit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zwischen dem vierzigsten und siebzigsten Lebensjahr.

 

Wie entsteht ein Bluthochdruck?

80 Prozent aller Hypertonien sind essentiell, d.h. es ist keine organische Ursache für die Druckerhöhung nachweisbar oder bekannt. 20 Prozent sind so genannte sekundäre Hypertonien; sie sind bedingt durch Erkrankungen der Nieren und der Gefäße oder durch eine Funktionsstörung der Hormondrüsen. Nierenerkrankungen spielen dabei mit Abstand die wichtigste Rolle. Verschiedene Einflussfaktoren fördern die Erhöhung des Blutdrucks. Wie bei vielen anderen Krankheiten auch, spielt der psychische Stress eine wichtige Rolle. Chronischer Stress, wie z.B. Feindseligkeit, Angst, Ärger, führt zu einer Daueraktivierung des Sympatikus und zu einer vermehrten Bildung und Freisetzung des Stresshormons Noradrenalin, das die Blutgefäße verengt. Die Daueraktivierung des Sympatikus regt in den Nieren die Bildung des Hormons Renin an, das wiederum die Synthese des stark blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin veranlasst. Dadurch wird der hohe Blutdruck fixiert.

 

Ernährungsfaktoren spielen ebenfalls eine sehr bedeutende Rolle für die Entstehung oder Vermeidung der arteriellen Hypertonie

Es sei gleich vorweggenommen, dass Vegetarier seltener an Bluthochdruck erkranken als Mischköstler und auch durchschnittlich niedrigere systolische und diastolische Blutdruckwerte aufweisen. Die Sieben-Tage-Adventisten sind eine Religionsgemeinschaft, deren Mitglieder sich zum großen Teil vegetarisch ernähren. Deshalb werden sie gerne als Studienkollektiv verwendet, wenn es um die Frage geht, mit welchen gesundheitlichen Effekten die vegetarische Ernährung im Vergleich zur Mischkost assoziiert ist. Die Fleischesser unter den Adventisten hatten ein doppelt so hohes Risiko für Bluthochdruck wie die Vegetarier. Wenn man die Einnahme blutdrucksenkender Medikamente als Maßstab zugrunde legt, waren es sogar dreimal mehr Mischköstler als Vegetarier.

Bluthochdruck tritt gehäuft bei Übergewicht/ Adipositas auf. Deshalb ist eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht die effektivste Maßnahme zur Blutdrucksenkung. Bei Übergewicht bestehen meist eine Insulinresistenz und ein chronisch erhöhter Insulinspiegel – Befunde, die neben weiteren Faktoren zur Entstehung des Bluthochdrucks beitragen. Pro Kilogramm Gewichtsverlust kann der systolische Blutdruckwert bis zu 20 mm Hg zurückgehen. Vegetarier haben durchschnittlich einen niedrigeren Body-Mass-Index als Mischköstler und auch eine geringere Gewichtszunahme im Laufe ihres Lebens.

 

Blutdrucksenkende Ernährungsformen

In den USA wurde in vielen Studien eine blutdrucksenkende Diät erprobt, die so genannte DASH-Diät. DASH heißt: dietary approaches to stop hypertension. Diese Ernährungsform ist reich an Obst und Gemüse und enthält sehr wenige gesättigte Fettsäuren; wenn sie noch mit einer Einsparung von Kochsalz kombiniert wird, hat sie erhebliche blutdrucksenkende Effekte. Die DASH-Diät ist mittlerweile in den USA Teil von offiziellen Ernährungsempfehlungen bei Bluthochdruck. Eine vegetarische Ernährung mit viel Obst und Gemüse ist sozusagen die Idealform dieser Diät.

Viele Menschen wissen, dass man bei zu hohem Blutdruck salzarm essen sollte. Eine hohe Kochsalzzufuhr erhöht den Natriumgehalt in den Körperzellen und führt zu einer erhöhten Wasseraufnahme. Die Kochsalzzufuhr ist bei der heutigen Ernährungsweise mit 10 bis 20 g pro Tag sehr hoch, wobei hier Fleisch- und Wurstwaren mit über 30 Prozent den größten Anteil liefern. Ein wesentlicher Teil der Kochsalzzufuhr erfolgt auch über industriell hergestellte Produkte.

Der Mensch benötigt täglich nur 2 – 3 g Kochsalz, um seinen Natriumbedarf zu decken. Zur Vorbeugung einer arteriellen Hypertonie empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine tägliche Salzzufuhr von maximal 5 g täglich. Nicht alle Menschen sind gleich kochsalzempfindlich. Neuere Daten zeigen, dass vor allem auch die Kaliumzufuhr und das Verhältnis von Kalium zu Natrium wesentlich zur Blutdruckregulation beitragen. Vegetarier nehmen deutlich mehr Kalium zu sich als Mischköstler. Bei gleicher Kochsalzzufuhr führt eine kaliumarme Diät, d.h. weniger Obst und Gemüse, zu einem signifikanten Blutdruckanstieg.

Auch Magnesium spielt eine wichtige Rolle für die Blutdruckregulierung. In der Honolulu-Heart-Studie war die Magnesiumzufuhr sogar der Ernährungsfaktor mit dem stärksten Einfluss auf den Blutdruck. Magnesium ist in allen grünen Gemüsen und Blattsalaten reichlich enthalten, da es Teil des Chlorophyll-Moleküls ist, aber auch in Sonnenblumenkernen, Nüssen und Weizenvollkorn.

Zur Regulierung der Gefäßweite bildet der Organismus das Signalgas Stickoxid aus der Aminosäure Arginin. Bei Bluthochdruckpatienten besteht meist ein oxidativer Stress, d.h. im Blut ist das Verhältnis zwischen Antioxidantien und freien Radikalen zugunsten letzteren verschoben. Der oxidative Stress beeinträchtigt die Bildung von Stickoxid und damit die Regulierung der Gefäßweite und des Blutdrucks. Durch eine vermehrte Zufuhr von Antioxidantien, insbesondere von viel Obst und Gemüse, kann diese Beeinträchtigung verhindert werden.

Einen neuen interessanten Aspekt bezüglich der Wirkung der vegetarischen Kost auf den Blutdruck liefert eine argentinische Studie, die kürzlich publiziert wurde. Eine Gruppe von Pflanzeninhaltsstoffen, nämlich die Flavanole, senkte die Aktivität von Angiotensin-converting-enzyme (ACE). ACE-Hemmer sind häufig verwendete Arzneimittel zur Senkung des Blutdrucks, wobei aber der Wirkstoff chemisch hergestellt wird. Offensichtlich sind Flavanole eine Art pflanzliche ACE-Hemmer.

Ein bekannter Vertreter dieser Pflanzeninhaltsstoffe ist das Procyanin, das als starkes Antioxidans wirkt. Procyanin ist in Weintrauben, besonders im Traubenkernöl, reichlich enthalten, ebenso in Äpfeln. Gute Quellen für Flavanole sind auch grüner Tee, Aprikosen, Kirschen und Kakaobohnen.

Ein weiteres wichtiges Argument für die vegetarische Ernährung zur Blutdruckregulierung lieferten die Ergebnisse der Intermap-Studie, die im Januar 2006 publiziert wurden. Hier wurden 4680 Personen aus vier Ländern auf einen Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und Blutdruck untersucht. Hintergrund dieser Studie waren Daten aus früheren Untersuchungen, die ergaben, dass eine niedrige Eiweißzufuhr den Blutdruck erhöht. Die Intermap-Studie kam zu folgenden interessanten Ergebnissen: Zwischen der Gesamteiweißzufuhr und dem Blutdruck besteht kein statistischer Zusammenhang. Eine höhere Zufuhr tierischer Proteine hatte keinen positiven Einfluss auf den Blutdruck; hingegen konnte ein hoher Anteil an pflanzlichen Proteinen an der Gesamteiweißzufuhr den Blutdruck bei Männern und Frauen niedrig halten.

Aus dieser Studie kann der Schluss gezogen werden, dass für einen normalen Blutdruck die Eiweißzufuhr aus pflanzlichen Nahrungsproteinen optimal ist. Wahrscheinlich ist der nachgewiesene Effekt der pflanzlichen Proteine auf deren Aminosäurenzusammensetzung zurückzuführen, wobei die genauen Wirkmechanismen noch nicht bekannt sind. In der Vergangenheit wurde bereits mehrfach ein blutdrucksenkender Effekt von Sojabohnen festgestellt.

Zum Schluss seien zusammenfassend noch einmal einige Nahrungsmittel mit Inhaltsstoffen genannt, die für die Blutdruckregulierung vorteilhaft sind:

Magnesiumreich sind z.B. Nüsse, Sonnenblumenkerne, Weizenvollkorn und grünes Blattgemüse; kaliumreich sind weiße Bohnen, Linsen, Bananen, alle Gemüsesorten und Obstsäfte; antioxidantienreich sind Brokkoli, Grünkohl, Beeren, Kakaobohnen etc. Bezüglich der Öle ist zu sagen, dass besonders einfach ungesättigte Fettsäuren, wie z.B. die hierbei das Speiseöl erster Wahl. Auch Zwiebelgewächse, insbesondere der Bärlauch, haben blutdrucksenkende Effekte.

 

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