Lachs top-traumurlaub.de pixelio.de

Lachs zählt zu den beliebtesten Speisefischen. Jetzt hat Lachs den Ruf, das giftigste Lebensmittel zu sein. Davon ist zumindest der norwegische Umweltschützer Kurt Oddekalv überzeugt. Verschiedene Wissenschaftler halten den Verzehr von Lachs ebenfalls für bedenklich. Der Österreichische Rundfunk hat im November 2014 in seinem Auslandsmagazin „WELTjournal +“ in einer interessanten Reportage mit dem Titel „Giftiger Fisch – Die große Gesundheitslüge“ die Gefahren der Fischzucht aufgedeckt.

Weltweit wird mehr Lachs nachgefragt, als es die natürlichen Ressourcen hergeben. Folglich werden drei Viertel aller Lachse in Aquakulturen aufgezogen. In Norwegen ist die Fischzucht nach der Erdölindustrie der zweitgrößte Wirtschaftszweig.

Kurt Oddekalv zählt zu einem der bekanntesten Umweltschützer Norwegens und einem der größten Kritiker der Fischzucht. Er hat sich den Untergrund norwegischer Fischfarmen mit Hilfe von Unterwasser-Robotern genauer angesehen und fand wenig Appetitliches: eine 15 Meter hohe mit Bakterien versetzte Abfallschicht, bestehend aus Exkrementen, Chemikalien, Futterresten etc., aus denen Gase entweichen – eine extrem hohe Belastung für die Fische. Der Grund des Fjords ist völlig zerstört.

Er hat auch beobachtet und mit Bildern dokumentiert, dass über den Fischteichen großflächig Chemikalien versprüht werden, die die Verbreitung von Seuchen und Schädlingen verhindern sollen.  Die Arbeiter schützten sich hierbei mit Atemmasken und Schutzanzügen. Oddekalv erklärt, dass die Fischfarmer die sogenannte Meereslaus bekämpfen und hierbei Chemikalien zum Einsatz kommen, wie sie im Ersten Weltkrieg verwendet wurden, um Menschen zu vergasen. In den Lachsen findet man die Chemikalien-Rückstände.

Der Umweltschützer hat Stichproben gemacht und Fische untersucht, die aus den Gehegen entwichen sind. Er stellte u.a. genetische Mutationen der Fische fest. Er hat Dorsche gefangen, die aufgrund eines Gendefektes die Mäuler nicht mehr schließen konnten. Genveränderungen fand er auch beim Lachs, wie verkümmerte Schwanzflossen oder Haut, die die Kiemen nicht mehr bedeckt. Wildlachs hat normalerweise einen Fettanteil von 5 bis 7 Prozent, beim Zuchtlachs ist der Fettanteil 15 bis 34 Prozent. Dieses Fett bildet ein ideales Depot für Gifte.

Auch andere Experten wie der Biologe Jérome Ruzzin vom Biologieinstitut der Universität Bergen warnen zwischenzeitlich vor dem Giftcocktail in Lachs. Ruzzin fand erhöhte Konzentrationen von Dioxin, PCB, Insektiziden, Pestiziden, Chemikalien etc. Im Vergleich zu Untersuchungen anderer Lebensmittel ist Zuchtlachs fünfmal stärker mit Schadstoffen belastet. Der Wissenschaftler selbst isst mittlerweile keinen Zuchtlachs mehr, weil man sich diesen Schadstoffen nicht aussetzen darf, wie er sagt.


Gift kommt auch über das Futter

Einer der Hauptursachen für die hohe Schadstoffbelastung des Zuchtlachses ist das Futter. In diesem steckt oftmals fetthaltiger Fisch aus der Ostsee, und die Ostsee ist stark schadstoffbelastet, z.B. mit Quecksilber und radioaktiven Stoffen aus Kernkraftwerken. Außerdem fließen in die Ostsee die Abfälle von neun Industriestaaten. Düngemittel, Munitionsreste aus den ersten Weltkriegen u.v.m. gelangen in die Ostsee. Ein Drittel des Binnenmeeres ist tot.

Die schwedischen Fischverkäufer sind vonseiten der schwedischen Regierung mittlerweile angehalten, die Kunden vor dem Verzehr von Fisch aus der Ostsee, wie z.B. Hering oder Aal, zu warnen. Solche fetthaltigen  Fische dürfen höchstens ein mal pro Woche verzehrt werden. Schwangere sollte gänzlich auf Fisch aus der Ostsee verzichten.

Das ORF-Team stattete einem dänischen Betrieb, der für die Aquakulturen das Fischfutter herstellt, einen Besuch ab und fand heraus, dass in den Fischfutter-Pellets 20 Prozent Fische aus der Ostsee verarbeitet werden - fetthaltige Fische, mit all samt dem Gift, das sich in den Fettdepots der Fische angereichert hat. Zuchtfische, die das Futter dann erhalten, sind folglich um ein Vielfaches stärker mit Giften belastet als wild lebende Fische.

Aber es kommt noch schlimmer. Das Kamerateam hat herausgefunden, dass dem Fischproteinpulver, das ebenfalls den Zuchtfischen gefüttert wird, eine Substanz in großer Menge zugefügt wird, die eigentlich in Lebensmitteln nichts verloren hat: Ethoxyquin. Es handelt es sich hierbei um ein Antioxidationspulver, das ehemals als Pestizid Verwendung fand, später bei Früchten und Gemüse eingesetzt wurde, um nicht so schnell braun zu werden. Seit Jahren ist der Einsatz EU-weit verboten. Ethoxyquin soll im Fischfutter verhindern, dass das Fischfett ranzig wird.

Die Schweizerische Anstalt für Lebensmittelprüfung und Veterinärangelegenheit in Genf hat in Fisch aus Aquakultren 10- bis 20-fach erhöhte Grenzwerte dieser Substanz festgestellt. Es gibt sogar Fische mit bis zu 1000 Mikrogramm/kg Ethoxyquin, wobei der erlaubte Grenzwert bei Fleisch z.B. bei 50 Mikrogramm/kg liegt. Makabererweise existieren für Fische gar keine offiziellen Grenzwerte – lediglich für Gemüse und Fleisch. Die Genfer Wissenschaftler warnen vor dem Einsatz dieser Substanz im Fisch.

Auch gibt es keine offiziellen Untersuchungen dieser Substanz. Die zuständige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit efsa hat bislang die Wirkung von Ethoxyquin auf den Menschen nicht testen lassen - weder Langzeitfolgen, noch die Krebsrisiken. Es gibt weder Kenntnisse über die Entwicklung von Föten, die mit dem Gift in Kontakt kommen, noch über neurotoxische Effekte.

Allerdings existiert eine norwegische Studie, die vor ein paar Jahren durchgeführt, aber zurückgehalten wurde und zwar vom Nationale Institute of Nutrition and Seafood Research NIFES. Es handelt sich hierbei eigentlich um ein unabhängiges Forschungsinstitut, das das norwegische Fischerei- und Küstenministerium in allen Fragen rund um Nahrungsmittel aus dem Meer berät. Die ehemals dort angestellte Wissenschaftlerin Victoria Bohne hatte in Erfahrung gebracht, dass selbst der Hersteller von Ethoxyquin nichts über die gesundheitlichen Risiken wusste. Sie hat aber erforscht, dass Ethoxyquin die Blut-Hirn-Schranke überwindet und möglicherweise krebserregende Eigenschaften besitzt. Es ist auffallend, dass es nicht zu einer Veröffentlichung dieser brisanten Studie kam. Die Forscherin hatte oder musste kurz vor Veröffentlichung der Studie das Institut verlassen. Das Budget für die Erforschung von Ethoxyquin soll vor vier Jahren auf Druck der norwegischen Fischereiministerin Lisbeth Berg-Hansen gekürzt worden sein. Die Fischereiministerin steht im Verdacht, ein Verbot von Ethoxyquin in Fischfutter verhindert zu haben. Ihr wird eine persönliche Verquickung mit der Fischindustrie vorgeworfen.

Wenn es um Schadstoffe in Zuchtfisch geht, scheinen die Behörden geflissentlich wegzuschauen. Das beweist auch eine Meldung aus dem Jahr 2013. Es wurde berichtet, dass die EU-Kommission den Grenzwert für Endosulfan in Zuchtlachs auf das Zehnfache erhöht hat. Der Hintergrund: Endosulfan ist ein Pestizid, das die Zuchtfische über die Nahrung aufnehmen. Es ist ein Nervengift und steht im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen und Krebs auszulösen. In der EU ist die Verwendung von Endosulfan eigentlich verboten, dennoch hat EU-Kommission den Endosulfan-Grenzwert für Zuchtlachs von bislang 0,005 auf 0,05 Milligramm pro Kilo erhöht, also um das Zehnfache.

Referenzen:
tv.orf.at, November 2014: Weltjournal +: Giftiger Fisch – Die große Gesundheitslüge
Lachs – das giftigste Lebensmittel überhaupt? Film:https://www.youtube.com/watch?v=8_Sl_wjiOyI
de.wikipedia.org: Lisbeth Berg-Hansen

Autor: Karin Großhardt

Zum Seitenanfang