Diabetes Henrik Gerold Vogel pixelio 470

Diabetes mellitus ist inzwischen die Volkskrankheit Nummer 1. Die Zahl der Diabetiker in Deutschland hat sich seit 1960 verzehnfacht. Experten der deutschen Diabetesgesellschaft gehen davon aus, dass jeder zehnte Deutsche einen zu hohen Glukosespiegel hat. Die Zahl der Diabetiker nimmt jährlich um 5 % zu – bei steigenden Behandlungskosten, wodurch die Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitswesens erheblich gefährdet wird.

Im Wesentlichen wird zwischen Typ-1 und Typ-2-Diabetes unterschieden. Der Typ-1-Diabetes entsteht dadurch, dass durch einen Autoimmunprozess die Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Durch den Ausfall der körpereigenen Insulinproduktion ist der Typ-1-Diabetiker zeitlebens auf eine Insulintherapie angewiesen. Rund 95 % aller Diabetesfälle entfallen auf den Typ 2, der normalerweise erst nach dem vierzigsten Lebensjahr auftritt. Inzwischen gibt es aber eine zunehmende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die am Typ-2-Diabetes erkranken. Kennzeichnend für den Typ-2-Diabetes sind eine Insulinresistenz und eine zunehmende Störung der Insulinsekretion. Wie bei vielen anderen Krankheiten auch, spielt für die Entwicklung des Typ-2-Diabetes die genetische Veranlagung eine gewisse Rolle. Entscheidend für das Auftreten dieser Erkrankung sind aber Lebensstilfaktoren.

Wenn man ständig zuviel Nahrung zu sich nimmt und sich wenig bewegt, wird den Körperzellen dauernd viel Glukose angeboten, dadurch sind auch die Insulinspiegel ständig erhöht, was dazu führt, dass die Insulinrezeptoren erlahmen. Die Signale des Insulins zur Glukoseaufnahme in die Zellen werden dann deutlich verlangsamt. Man spricht von einer Insulinresistenz. Diese Insulinresistenz betrifft vor allem die Muskulatur. Da die Muskelzellen wenig Glukose aufnehmen können, werden dann die Leber und das Fettgewebe regelrecht mit Glukose überschwemmt, woraus eine Fettleberbildung und eine Zunahme des Fettgewebes resultieren.

Neun von zehn Typ-2-Diabetikern sind adipös, d.h. sie sind erheblich übergewichtig. Häufig findet man neben einer Insulinresistenz und Übergewicht auch Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck. Das Ganze nennt man dann „Metabolisches Syndrom“. Wenn die Betazellen der Bauchspeicheldrüse ständig hohe Insulinspiegel produzieren müssen, kommt es im Laufe der Zeit zur Erschöpfung dieser Zellen, so dass dann Typ-2-Diabetiker insulinabhängig werden. Chronisch erhöhte Glukosespiegel führen dazu, dass viele wichtige Biomoleküle des Körpers regelrecht verzuckern. Außerdem werden durch die verschiedenen Stoffwechselstörungen im Organismus des Diabetikers vermehrt freie Radikale gebildet. Aufgrund der Verzuckerung und des oxidativen Stresses entwickeln sich dann im Laufe der Zeit verschiedene Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Neuropathien sowie Erkrankungen der Nieren und der Netzhaut.

Der Typ-2-Diabetes ist eine typische Lifestile-Erkrankung und wird im Wesentlichen verursacht durch Bewegungsmangel und Überernährung. Von entscheidender Bedeutung für die meisten Diabetiker ist eine Gewichtsreduktion, da die Insulinresistenz unmittelbar mit dem Übergewicht zusammenhängt. Eine der sinnvollsten vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen bei Diabetes ist die vegetarische Ernährung. Der Hauptvorteil dieser Ernährungsweise liegt darin, dass am ehesten eine Normalisierung des Körpergewichts bzw. eine Gewichtsreduktion möglich ist. Jedenfalls sind Vegetarier durchschnittlich schlanker als Mischköstler und haben auch ein deutlich vermindertes Diabetesrisiko.

Der regelmäßige Verzehr von rotem Fleisch und Fleischprodukten erhöht signifikant das Risiko, an Diabetes zu erkranken, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Besonders schädlich sind Fleischprodukte wie Wurst und die Kombination rotes Fleisch/ Alkohol, weil dadurch vermehrt Hämeisen resorbiert wird.

Es ist schon länger bekannt, dass gesättigte Fettsäuren die Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren herabsetzen. Die Zellmembranen bestehen zu einem hohen Prozentsatz aus Fettsäuren. Das Fettsäuremuster der Nahrung ist entscheidend dafür, welche Fettsäuren in die Zellmembranen eingebaut werden. Fleisch und Vollmilchprodukte enthalten relativ viele gesättigte Fettsäuren, die die biochemischen Eigenschaften der Zellmembran nachteilig beeinflussen (z.B. verminderte Flexibilität).

Auch der Verzehr tierischer Proteine ist ungünstig bei Diabetes mellitus, weil die Zusammensetzung des Nahrungseiweißes das Gleichgewicht zwischen Glukagon und Insulin beeinflusst. Sojaprotein und andere pflanzliche Proteine enthalten mehr nichtessentielle Aminosäuren, die die Glukagonproduktion anregen. Dieser Effekt ist hauptsächlich auf die Aminosäure Arginin zurückzuführen. Tierische Proteine enthalten häufig viel Leucin und Lysin, die die Insulinfreisetzung stimulieren.
Pflanzliche Proteine belasten auch die Nieren weniger, wodurch das Auftreten einer diabetischen Nephropathie verhindert oder zumindest verlangsamt werden kann.

Um eine Insulinresistenz und chronisch erhöhte Insulinspiegel zu normalisieren, muss unbedingt eine Ernährung mit einem niedrigen glykämischen Index durchgeführt werden, ansonsten können die Insulinrezeptoren sich auch nicht normalisieren. In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass eine hohe Zufuhr an Ballaststoffen die Blutzuckereinstellung wesentlich verbessern kann. Ähnlich wie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben auch bei Diabetes mellitus die Nüsse einen vorteilhaften Effekt auf den gestörten Fettstoffwechsel des Diabetikers.

Verschiedene Mikronährstoffe, die vermehrt in pflanzlicher Kost vorkommen, werden vom Diabetiker in größerer Menge benötigt. Chrom und Mangan spielen eine wichtige Rolle für die Insulinempfindlichkeit des Organismus. Diabetiker verlieren vermehrt Magnesium über den Urin, was die Blutzuckereinstellung erschwert. Deshalb sind magnesiumreiche pflanzliche Nahrungsmittel besonders hilfreich. Wie schon erwähnt, besteht beim Diabetes ein oxidativer Stress und dadurch ein Mehrbedarf an antioxidativen Verbindungen wie z.B. Vitamin C, E, Flavonoide, Phenolsäuren etc.

Fazit:
Durch das Praktizieren einer vegetarischen Ernährung könnte die Häufigkeit des Diabetes mellitus stark reduziert und den Betroffenen viel Leid erspart werden. Vor allem ließen sich auch große Behandlungskosten vermindern.

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