Ende Juli 2006 publizierte die renommierte Fachzeitung „Lancet“ die Ergebnisse einer Feldstudie über die Kuru-Krankheit. Kuru ist eine Prionenerkrankung, die ausschließlich bei den Papuas im östlichen Hochland von Neuguinea auftritt, wo sie einst durch Kannibalismus übertragen wurde. Ab Mitte der fünfziger Jahre war der Kannibalismus offiziell verboten, und nach 1960 gab es auch keine entsprechenden Stammesrituale mehr. Die Kurufälle, die nach 1960 auftraten, ermöglichen somit eine Abschätzung der Inkubationszeit dieser Prionenerkrankung. Forscher des University-College London identifizierten im Zeitraum zwischen 1996 und 2004 11 neue Kurufälle, die zwischen 34 und 56 Jahren nach dem wahrscheinlichen Infektionszeitraum auftraten. Die Londoner Forscher schlossen daraus, dass die heute bekannten Fälle der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung, ausgelöst durch den BSE-Erreger, sehr wahrscheinlich die minimale Inkubationszeit dieser Erkrankung repräsentieren. Anzunehmen sei, dass die mittlere Zeit zwischen Infektion und Ausbruch wohl eher bei 30 Jahren oder mehr liege.

Kommentar:
Alle, die glauben, die BSE-Problematik sei überstanden, könnten in vielen Jahren eine böse Überraschung erleben, wenn die Inkubationszeit tatsächlich bis zu 50 Jahre und mehr betragen kann.

Referenzen:
Colling J et al: Kuru in the 21st century an acquired human prion disease with very long incubation periods; Lancet 2006 24; 367