Tumore des Dickdarms und des Enddarms sind die dritthäufigsten Tumorerkrankungen weltweit. In mehreren Metaanalysen konnte bereits ein Zusammenhang zwischen der Aufnahme von rotem Fleisch und Fleischprodukten und dieser Tumorart nachgewiesen werden. Es gibt verschiedene Erklärungen für diesen Zusammenhang. Fleisch, das bei hohen Temperaturen zubereitet wurde, enthält mutagene heterozyklische Amine. Allerdings dürften die heterozyklischen Amine nicht die Hauptauslöser für den Darmkrebs sein, da z.B. der Verzehr von Geflügelfleisch nicht mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko verbunden ist, obwohl das Geflügelfleisch sehr viele heterozyklische Amine enthält. Eine zweite Hypothese geht davon aus, dass der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren in rotem Fleisch und in Fleischprodukten das Darmkrebsrisiko erhöht. Dies konnte aber in einer Metaanalyse nicht bestätigt werden.

In einer aktuellen Metaanalyse französischer Wissenschaftler konnte jetzt nachgewiesen werden, dass eine hohe Zufuhr von Hämeisen mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert ist. Es gibt auch einige Erklärungsansätze, weshalb das Hämeisen im Gastrointestinaltrakt toxische Effekte entfaltet: Bei freiwilligen Versuchspersonen zeigte sich, dass eine hohe Zufuhr von rotem Fleisch zu einer vermehrten Ausscheidung von Apparent Total N-nitroso compunds (ATNC) führte. Die Ausscheidung von ATNC im Stuhl war bei einem hohen Verzehr von rotem Fleisch 60 mal höher als bei einer vegetarischen Ernährung.
Bei dem niedrigen PH-Wert im Magen entstehen aus Nitrit und Thiolgruppen so genannte Nitroso-Thiole, aus denen dann wiederum Nitrosyl-Häm gebildet wird. Es gibt verschiedene experimentelle Hinweise, dass Vorstufen der ATLC, bzw. ATHC selber bedeutende Genotoxine sind. Diese Substanzen können also DNA-Schäden hervorrufen, die wiederum die Voraussetzung für die Entstehung von Krebs sind.

Das Hämeisen katalysiert auch die Oxidation von mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Bei diesem Vorgang entstehen Substanzen wie Malondialdehyd und 4-hydroxynonenal (4-HNE). Letzteres ist mutagen und beeinflusst in erheblichem Umfang die Signalübertragung der Zellen. Das 4-HNE kann die Apoptose und die Nekrose von menschlichen Darmzellen verursachen.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind also die Nitrosoverbindungen und die Lipidperoxidationsprodukte Hauptverursacher des Darmkrebses, wobei das Hämeisen aus Fleisch und Wurst für die Bildung dieser Stoffe eine zentrale Rolle spielt.

Referenz:
Nadia M Bastide et al.: Heme iron from meat and risk of colorectal cancer: a meta-analysis and a review of the mechanisms involved; Cancer Prevention Research CAPR-10-011R1 accepted December 2, 2010

Autor:
Dr. med. Hans-Günter Kugler
© Dezember 2011
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